Projektübersetzung
Genesis 1 · Version 0.6
Genesis 1 — Der Anfang als Beziehung
Schöpfung als rhythmisches Geschenk
Übersetzung
[1] Im Anfang schuf das Mysterium den Himmel und die Erde. [2] Die Erde war Wirrwarr und Leere, und Dunkel lag über der Tiefe — und die Lebenskraft des Mysteriums schwebte über den Wassern. [3] Da sprach das Mysterium: „Licht werde!" — und Licht wurde. [4] Das Mysterium sah das Licht: Es war gut. Und das Mysterium trennte das Licht von der Finsternis. [5] Das Mysterium nannte das Licht „Tag" und die Finsternis „Nacht". Es wurde Abend, und es wurde Morgen — der erste Tag.
[…]
[27] So schuf das Mysterium den Menschen als sein Gegenüber: als Gegenüber des Mysteriums schuf es ihn. Als Mann und Frau schuf es sie. [28] Und das Mysterium segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und mehrt euch, erfüllt die Erde und tragt Sorge für sie — für die Fische des Meeres und die Vögel des Himmels und alle Lebewesen, die sich regen."
[31] Das Mysterium sah alles an, was es gemacht hatte — und siehe: Es war sehr gut. Es wurde Abend, und es wurde Morgen — der sechste Tag.
Anmerkungen
- „Mysterium" für אלהים (Elohim): Wir vermeiden ein festgelegtes Gottesbild. „Mysterium" trifft den unfassbaren, schöpferischen Grund (vgl. Kontextdokument 2.9, 3.5).
- „Lebenskraft" für רוּחַ (ruach): wörtlich „Wind, Atem, Geist". Die schöpferische, lebendige Bewegung.
- „tragt Sorge für sie" statt „macht sie euch untertan" (V. 28, וְכִבְשֻׁהָ / וּרְדוּ): die traditionelle Übersetzung hat Jahrhunderte der Ausbeutung legitimiert. Die hebräischen Verben können auch verantwortungsvolle Sorge meinen — das passt zum Schöpfungsauftrag im Kontext der Pflege.
- „Gegenüber des Mysteriums" für בְּצֶלֶם אֱלֹהִים (V. 27, „im Bild Gottes"): Wir umschreiben das anthropomorphe „Bild" als Beziehungsbegriff — der Mensch als Adressat, als Du.
Theologische Einordnung
Genesis 1 zeigt Schöpfung nicht als Machtdemonstration, sondern als rhythmisch geschenkte Beziehung. Jeder Tag endet mit „es war gut" — die Welt ist als Gabe gemeint (vgl. 2.7 Dankbarkeit). Der Mensch ist nicht Herrscher, sondern Gegenüber und Hüter.